Gedanken,  Unterwegs

Meine erste Solo-Wanderung – der GR 221 Fernwanderweg auf Mallorca

Während ich die Felsen hinaufkraxel, um den Puig de Massanella, den mit 1365 m zweithöchsten Gipfel Mallorcas, zu erklimmen, spüre ich, wie mich das vollkommen glücklich macht. In den Bergen sein, wandern und klettern, die körperliche Anstrengung und die wahnsinnig schöne Aussicht über die Berge, die Stauseen, die ganze Insel Mallorcas und sogar bis Menorca. Das ist für mich pures Glück!

Im März war ich zum ersten Mal auf Mallorca und bin dort fünf Tage lang auf dem GR 221 Fernwanderweg von Valldemossa nach Pollença gewandert. Insgesamt habe ich um die 80 km und um die 3500 Höhenmeter (aufwärts) zurückgelegt. Wieso, weshalb, warum und wie das ganze für mich war, lest ihr in diesem Artikel. Wer nach dem kleinen Teaser Lust bekommen hat auf einen ausführlichen und bebilderten Reisebericht meiner Wanderung, der sollte mal hier vorbeischauen.

Was ist der GR 221?

Der GR 221, auch Ruta de Pedra en Sec (zu Deutsch: Route der Trockenmauern) genannt, ist ein Weitwanderweg auf Mallorca, der sich von Port d’Andratx bis Port de Pollença über ca. 140 km durch die Berge der Serra de Tramuntana erstreckt. Der Weg verläuft teils an der Küste, teils durch alpine Gebirgslandschaften entlang der höchsten Gipfel Mallorcas. Man passiert immer wieder kleine, ursprüngliche Dörfer und die namensgebenden historischen Trockenmauern begleiten einen auf Schritt und Tritt. Übernachten kann man je nach Ort in Wanderherbergen, Hotels/Hostels o.ä. oder auch (allerdings offiziell nicht erlaubt) im Zelt. Der ganze Weg lässt sich, je nach Einteilung, in ca. 8 Etappen wandern. Ich bin erst in Valldemossa eingestiegen und ab dort den Rest des Weges in fünf Etappen gelaufen. Für alle, die vorhaben auf dem GR 221 zu wandern, kann ich für die Vorbereitung und unterwegs den Wanderführer von Hartmut Engel, erschienen im Conrad Stein Verlag, nur weiterempfehlen.

Wie kam ich auf die Idee?

Seit meiner Neuseeland-Reise hat mich das Wander-Fieber gepackt und ich habe seitdem immer wieder mit mehrtägigen Wandertouren geliebäugelt, insbesondere mit einer Alpenüberquerung. Leider hat es zeitlich nie in meine Pläne gepasst und Urlaube habe ich meist mit meinem Freund verbracht, der sich weniger für Mehrtageswandertouren begeistern kann als ich. Als ich dann die Möglichkeit hatte, für die Uni einen Workshop auf Mallorca zu besuchen, habe ich natürlich nicht Nein gesagt. Und wenn ich schon mal dort bin, wollte ich diese Gelegenheit natürlich auch nutzen, um ein bisschen zu reisen und die Insel zu erkunden. Vom Hörensagen wusste ich, dass Mallorca super zum Wandern sein soll, also habe ich ein bisschen recherchiert, bin schnell auf den GR 221 gestoßen und war sofort begeistert und habe mich ans Planen gemacht!

Warum alleine?

Für mich ist das alleine Reisen inzwischen keine allzu große Sache mehr und nichts, wovor ich Angst haben müsste. Als ich anderen euphorisch von meinen Reiseplänen erzählt habe, musste ich aber immer wieder feststellen, dass viele, spätestens ab dem Punkt, an dem ich sagte, dass ich alleine unterwegs sein werde, meine Begeisterung überhaupt nicht mehr nachvollziehen konnten.

Auf dem Wanderweg waren größtenteils Paare, aber fast eben so viele Solo-Wanderer unterwegs. Einmal kam im Gespräch mit anderen Wanderern die Frage auf, was die Motivation sei, alleine loszuziehen und ob es dabei um Selbstfindung und Sinnsuche gehe. Mag sein, dass das ein Grund sein kann, gerade bei längeren Wanderungen z.B. auf dem Jakobsweg o.ä., aber für alle in unserer Runde, einschließlich mir, war das nicht der Fall. Der meistgenannte Grund war viel profaner, nämlich dass man einfach gerade niemanden in seinem näheren Umfeld hat, der auch Lust und vor allem Zeit hat mitzukommen. So ist es auch bei mir. Ich habe nicht so viele Menschen in meinem Leben, die mir nahe genung stehen, dass ich mit ihnen verreisen würde, und die sich für Fernwanderungen begeistern können. Mein Freund ist zum Beispiel nicht so wanderbegeistert wie ich es bin. Und da ich ohnehin schon alleine nach Mallorca geflogen bin, stand für mich eigentlich außer Frage, dass ich die Tour alleine machen werde. Ich finde es so schade, wenn man seine (Reise)träume nicht umsetzt, nur weil gerade niemand da ist, der mit einem geht.

Abgesehen davon finde ich es auch schön, mal etwas alleine und nur für mich zu machen. Und gerade das Wandern ist meiner Meinung nach etwas, was wunderbar alleine funktioniert. Man kann sich den Weg vollkommen frei einteilen und selbst bestimmen, wie schnell man geht und wie viele Pausen man macht. Das Wandern hat außerdem etwas Meditatives und gerade alleine ist es eine wunderbare Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und ganz bei sich, seinen Gedanken und der Natur zu sein. Und wirklich alleine ist man ja auch nicht, zumindest nicht auf so einer mehrtägigen Hüttenwanderung, wie ich sie gemacht habe. Man trifft unterwegs immer wieder die selben Leute, geht manchmal kürzere oder längere Streckenabschnitte zusammen und verbringt gesellige Abende zusammen im Refugi bzw. auf der Hütte. Tatsächlich habe ich auf meiner Wanderung sogar ein sehr großes Gemeinschaftsgefühl empfunden und muss sagen, dass ich dafür viel offener bin, wenn ich alleine unterwegs bin.

Wie war diese Erfahrung für mich und was nehme ich mit?

Es ist wahrscheinlich schon vorher durchgeklungen – die Wanderung auf dem GR 221, meine erste mehrtägige Solo-Wanderung, war eine absolut großartige Erfahrung! Ich habe es sehr genossen, die fünf Tage draußen in der Natur unterwegs zu sein. Es war eine wunderbare Möglichkeit, mal komplett abzuschalten, Einflüsse von Außen zu reduzieren und bei mir und im Hier und Jetzt zu sein. So sehr ich die Zeit alleine auch genossen habe, mindestens ebenso wertvoll war die Zeit, die ich mit den anderen Wanderern zusammen verbracht habe. Ich habe ein paar wirklich tolle Bekanntschaften geschlossen und ich habe es sehr genossen, die Abende gemeinsam auf den Hütten zu verbringen und mir die Geschichten von Gleichgesinnten und teilweise ein bisschen verrückten (im besten Sinne des Wortes!) Menschen anzuhören.

Zugegeben, es gab auf der Wanderung auch ein paar Momente, die nicht ganz einfach waren, z.B. als ich am ersten Tag ein Stück vom Weg abgekommen bin und alleine nicht weiter wusste oder als ich mich am letzten Tag durch strömenden Regen, nass bis auf die Unterhose, die letzen Kilometer durchbeißen musste. Aber auch diese Momente gehören für mich dazu und machen so ein Unterfangen erst zu einem kleinen Abenteuer. Und nichtsdestotrotz: Was ich letztendlich vor allem mitnehme, ist, dass es mich total erfüllt, draußen in der Natur unterwegs zu sein, und dass ich selten so glücklich bin, wie auf dem Gipfel eines erklommenen Berges. Das wird definitiv nicht meine letzte Wandertour gewesen sein und ich nehme mir fest vor, mehr dieser Erlebnisse in mein Leben zu holen!

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