Unterwegs

Reisebericht – 5 Tage Wandern auf dem GR 221 auf Mallorca

Prolog

Als ich im Flugzeug nach Palma de Mallorca sitze, verspüre ich zum ersten Mal seit langem wieder dieses Glücksgefühl. Es geht auf Reisen. Die Busfahrt, das Warten am Flughafen, der Blick aus dem Fenster auf das verregnete Berlin. Unter anderen Umständen könnte das eher langweilig und nervtötend sein, für mich duftet es nach Abenteuer. Endlich passiert mal wieder etwas Neues, Aufregendes, ein paar Tage voller Freiheit und neuer Erfahrungen liegen vor mir. Der Ausblick bei der Landung ist etwas ganz besonderes. Wie die Sonne hinter den Bergen Mallorcas untergeht und den Himmel in ein rot-gelbes Farbenmeer taucht. Für mich hat es irgendwie etwas Verheißungsvolles.

1. Etappe: Valldemossa – Deià

Drei Tage nach meiner Ankunft (die vorigen Tage habe ich dienstlich noch an einem Workshop teilgenommen) geht meine Wanderung dann endlich los. Mit dem Bus geht es von Palma nach Valldemossa. Die Fahrt dauert nur eine halbe Stunde und innerhalb kürzester Zeit wandelt sich der Blick aus dem Busfenster von Stadt zu Berglandschaft und man sieht bewachsene Kalksteinfelsen und terrassenartig angelegte Olivenhaine. Angekommen in Valldemossa erkunde ich erstmal ein wenig den Ort, stärke mich mit Gebäck und einer richtig guten, heißen Schokolade und starte dann in die erste Etappe meiner Wanderung. Die ersten Kilometer auf dem Weg sind noch ein bisschen seltsam. Ich bin ganz alleine und beobachte meine Gedanken. Ich bin noch nicht richtig im Flow und frage mich zudem ständig, ob ich überhaupt richtig gehe, da mir niemand begegnet und dieses Teilstück nicht offiziell markiert ist. Zum Glück ändert sich das aber nach einer Weile. Der Weg wird von einem flachen, breitem Schotterweg zu einem richtigen Wanderpfad, die ersten anderen Wanderer kommen mir entgegen und ich finde immer mehr in meinen eigenen Rhythmus. Es geht steil hinauf und ich komme mehr aus der Puste, als mir lieb ist. Aber der Weg und mit zunehmender Höhe auch die Aussichten sind großartig.

Ich überhole ein Pärchen in meinem Alter und treffe sie kurz darauf an einer Weggabelung wieder, an der ich etwas unschlüssig bin, wo es lang geht. Sie sind mir sympathisch und wir unterhalten uns kurz, aber ich versuche dann doch so schnell wie möglich wieder Abstand zwischen uns zu bringen – irgendwie möchte ich in diesem Moment lieber noch alleine sein. Der Weg geht weiter und ich kann im Tal schon das kleine Bergdorf Deià sehen, das Ziel meiner heutigen Etappe. Bald komme ich an eine Stelle, an der ich nicht mehr weiter weiß. Hier sollte der Abstieg nach Deià beginnen, aber die Steilwand, an der ich versuche seitlich abzusteigen, scheint mir viel zu steil, der Weg hört langsam auf, wie ein richtiger Pfad auszusehen, und ich sehe keine Steinmännchen mehr, die vorher in unregelmäßigen Abständen den Weg markiert haben. Ich werde unsicher und merke wie ein bisschen die Panik in mir hoch kommt. Jetzt finde ich es doch nicht mehr so toll, alleine hier unterwegs zu sein. Daher gehe ich zurück und treffe das Pärchen von vorher wieder. Die beiden sind genauso verwirrt wie ich. Eine Gruppe von vier Chinesinnen kommt uns kurz darauf von unten entgegen – auch sie haben sich verlaufen und gehen den Weg gerade wieder hoch. Sie scheinen sehr erleichtert zu sein, auf andere Menschen zu treffen. Dort wo sie weiter gegangen waren, endete der Weg an der Steilwand. Sie haben außerdem zu viert nur eine 0,5-Liter-Flasche mit Wasser dabei gehabt, die natürlich längst leer ist und die wir ihnen erstmal wieder auffüllen. Nun zu siebt suchen wir den richtigen Weg. Da wir unschlüssig sind, beschließen wir zurück zur letzten Markierung zu gehen. Ein weiteres deutsches Pärchen mittleren Alters stößt auch noch zu unserer Gruppe und gemeinsam finden wir dann die richtige Abzweigung zum Abstieg nach Deià. Diese ist sehr leicht zu übersehen, da der Weg hier eine 180°-Kehrtwende macht und auch geradeaus noch weitere Steinmännchen-Markierungen zu finden sind. Ich bin froh, nicht alleine in dieser Situation gewesen zu sein und den anderen Menschen auf dem Gipfel begegnet zu sein.

Den Rest des Weges wandere ich mit dem jungen Pärchen zusammen, die sich als Jan und Lisa vorstellen. Sie wohnen zusammen in Potsdam, Jans Heimatstadt. Lisa kommt eigentlich aus den USA, lebt aber inzwischen seit 3 Jahren in Deutschland und spricht fließend deutsch mit einem süßen amerikanischen Akzent. Ich mag die beiden sehr und wir sind, glaube ich, auf einer Wellenlänge. Es stellt sich heraus, dass wir recht viel gemeinsam haben, z.B. unser Interesse für Klimawissenschaften und Umweltthemen und unsere Leidenschaft fürs Reisen, Wandern und in der Natur unterwegs zu sein. Ich bin sehr glücklich darüber, gleich zu Anfang meiner Reise zwei so liebe und angenehme Menschen getroffen zu haben. Der Abstieg zieht sich, aber gegen Abend kommen wir dann im Refugio Can Boi im hübschen, kleinen Bergdorf Deià an.

2. Etappe: Deià – Port de Sóller

Am nächsten Tag wandere ich zunächst weiter mit Jan und Lisa zusammen. Bevor wir richtig starten, schauen wir uns noch Deià an und machen einen Abschtecher zur Badebucht Cala Deià. Der Weg verläuft heute flacher, ist aber dennoch schön. Viele Tagestouristen sind hier unterwegs. Darunter so viele Deutsche, dass es fast normaler ist, sich mit “Hallo” als mit “Hola” zu grüßen. Während unserer Mittagspause belagert uns eine streunende Katze, von denen es auf Mallorca unglaublich viele gibt, was ein echtes Problem für die Insel ist. Diese ist so hungrig, dass sie nicht mal davor zurückschreckt, an unsere Rucksäcke zu gehen und ein Croissant daraus zu stibitzen. Allerdings reißt die Papiertüte in ihrem Maul, als ich ihr hinterherjage und die Arme geht leer aus.

Bald trennen sich mein Weg und der von Jan und Lisa, da die beiden heute bis Sollèr gehen, während ich im Refugi Muleta bei Port de Sollèr übernachte. Von der Lage her ist diese Wahl eher ungünstig, da die ohnehin lange Etappe am nächsten Tag dadurch noch länger wird. Am Abend sitze ich zusammen mit einem älteren, deutschen Ehepaar, Uli und Ilona, und noch ein paar wenigen anderen Wanderern. Zusammen bedauern wir unsere Entscheidung, hier zu übernachten, zumal noch eine spanische Großfamilie hier gelandet ist, die sehr, sehr laut ist. Von der gemütlichen Hüttenstimmung ist nicht mehr viel übrig. Dafür laden Uli und Ilona mich ein, mir mit ihnen am nächten Morgen ein Taxi nach Sollèr zu teilen, sodass wir die lange Etappe ein bisschen abkürzen können. Ich nehme das Angebot dankend an und noch eine weitere, junge Wanderin schließt sich uns an. Ein schlechtes Gewissen haben wir deswegen nicht.

3. Etappe: Port de Sóller – Tossals Verds

Meine eigentliche Wanderung starte ich heute also in Sóller. Die frische Morgenluft, die aufgehende Sonne und das Bergpanorama versprechen einen großartigen Tag und das wird er auch. Ich wandere heute größtentiels alleine. Das Wandern ist sehr meditativ. Ich finde es interessant, meine Gedanken zu beobachten. Ich denke unter anderem viel über die Fragen aus dem Buch “Das Café am Rander der Welt” von John Strelecky, was ich am Abend zuvor angefangen habe zu lesen, nach. Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltest Leben? Beziehungsweise stecke ich vor allem noch bei der ersten Frage nach dem Zweck meiner Existenz fest und mache mir Gedanken darüber, wie ich mein Leben führen möchte.

Die heutige Etappe ist wirklich schön. Es geht zunächst bergauf – lange, aber nicht besonders steil. Schritt für Schritt überwinde ich einen Höhenmeter nach dem anderen. Auf dem Weg wird mit frisch gepresster Orangensaft angeboten und ich sehe einen Mann, der einen Betonmischer auf einem Ketten-/Raupenfahrzeug den steilen und unebenen Weg nach oben transportiert. Bald komme ich an den vorerst höchsten Punkt, wo sich mir ein traumhafter Blick auf den Cúber-Stausee bietet. Allerdings bläst hier auch ein ganz schöner Wind. Entlang des Sees ist es extrem kalt und ich ärgere mich keine Handschuhe eingepackt zu haben. Eigentlich würde ich gerne eine Mittagspause einlegen, aber die Kälte treibt mich weiter. Uwe, den ich in der ersten Herberge schon einmal getroffen hatte, holt mich ein und an einer geschützten Stelle treffen wir auf Uli und Ilona und machen alle zusammen ein Picknick.

Ab hier gibt es zwei alternative Wege zur nächsten Hütte Tossals Verds, meinem Ziel für den heutigen Tag. Ich entscheide mich für den kürzeren, aber anspruchsvolleren der beiden Wege. Dieser Abschnitt ist bis dato mein Lieblingsabschnitt der gesamten Tour. Es geht über Stein und Fels und sogar eine Kletterstelle ist dabei. Die Aussichten sind traumhaft und ich fühle mich richtig in den Bergen angekommen. Mir begegnen hier auch nur noch wenige Menschen, sodass ich mich zwischenzeitlich frage, ob ich überhaupt richtig gehe, aber irgendwann sehe ich dann die wunderschön gelegene Hütte Tossals Verds – diesmal nicht in einem Dorf, sondern irgendwo im Nirgendwo in den Bergen. Herrlich!

Der restliche Abend auf der Hütte ist der schönste bisher. Wir sitzen lange zusammen, die Stimmung ist fröhlich, die Gespräche interessant und das Essen gut. Ich fühle mich wohl im Kreis dieser, im besten Sinne des Wortes etwas verrückten Menschen. Irgendwann kommen auch Jan und Lisa an und ich freue mich sehr die beiden wiederzusehen. An diesem Abend bin ich einfach nur glücklich und sorgenfrei.

4. Etappe: Tossals Verds – Lluc

Am nächsten Tag starte ich bei schönstem Sonnenschein wieder alleine in meine Wanderung. Ich genieße es, alleine zu wandern. Durch die Natur, vorbei an frischen Quellen und grasenden Schafen und Ziegen. Gegen Mittag hole ich Uli, Ilona und Uwe ein, die gerade eine Pause einlegen. Die drei wollen noch einen Abstecher auf den Puig de Massanella, den mit 1364 m höchsten zugänglichen Gipfel Mallorcas, machen. Kurzentschlossen schließe ich mich ihnen an, was sich als eine sehr gute Entscheidung herausstellt. Alleine hätte ich mich nicht unbedingt getraut, da in meinem Wanderführer steht, dass dies nur mit Bergerfahrung zu empfehlen sei. Die Sorgen sind aber unbegründet – es macht so viel Spaß den Berg hinaufzukraxeln. Unsere Rucksäcke haben wir unterhalb des Aufstiegs hinter ein paar Büschen abgelegt, sodass das leichte Klettern ganz einfach ist. Und die Aussicht von oben ist der Hammer! Man kann fast die ganze Insel überblicken und bis nach Menorca rüber sehen. Ich bin einfach nur glücklich.

Der weitere Weg ist auch sehr schön. Er ist aber auch lang und der Weg bergab zieht sich, zumal ein gutes Stück über Kopfsteinpflaster geht, was nicht gerade angenehm zum Laufen ist. So sind wir alle froh, als wir dann gegen Nachmittag in Lluc ankommen. Lluc ist eigentlich kein richtiger Ort, sondern ein Kloster, das im Sommer wohl eine richtige Touristenattraktion ist. Jetzt ist es angenehm ruhig. Im einzigen Café finden wir dann auch viele der anderen Wanderer wieder und gönnen uns ein dickes Stück Torte, das alle Strapazen vergessen lässt. Hauptgesprächsthema ist allerdings der Wetterbericht für den kommenden Tag: Temperatursturz und Dauerregen, in den hohen Lagen ist sogar Schnee angesagt. Die meisten wollen die letzte Etappe aber trotzdem antreten. Ich bin noch am zweifeln, ob ich mir das tatsächlich antun möchte, da ich für so ein Wetter überhaupt nicht ausgerüstet bin (weder Regenhose noch Handschuhe oder ähnliches – wer rechnet denn mit Schnee auf Mallorca?!) und ich keine Lust habe mich wegen falschem Ehrgeiz zu quälen und womöglich zu erkälten. Ich beschließe die Nacht darüber zu schlafen und spontan zu gucken, ob ich das Abenteuer wage oder direkt einen Bus zurück nach Palma nehme.

5. Etappe: Lluc – Pollença

Der Wetterbericht hält, was er verspricht. In der Nacht hagelt es und am nächsten Morgen ist alles weiß. Während des Frühstücks schüttet es in Strömen. Nicht ein bisschen leichter Sommerregen – nein, es gießt wie aus Eimern und dazu ist es auch richtig kalt geworden (irgendwas um die +5 Grad Celsius). Ich bin unentschlossen, ob ich losgehen soll oder nicht. Eigentlich ist es echt das letzte Wetter, bei dem ich wandern gehen würde, andererseits möchte ich auch nicht die einzige sein, die sich von ein bisschen Wasser von oben klein kriegen lässt. Die meisten anderen scheinen da tougher zu sein als ich. Nur Uwe teilt meine Zweifel. Wir beschließen erst einmal abzuwarten, der Bus nach Palma würde ohnehin erst um 11 Uhr fahren. Wir sitzen also im Gemeinschaftssaal und sehen zu, wie einer nach dem anderen sich auf den Weg macht – die meisten allerdings mit deutlich besserer bzw. regenfesterer Ausrüstung als ich sie dabei habe. Meine Vernunft sagt mir, ich sollte nicht losgehen, aber irgendwie kribbelt’s mich schon in den Füßen und ich würde den Weg noch gerne bis zum Ende nach Pollença gehen. Gegen 10 Uhr hört der Regen dann tatsächlich auf, und auch wenn der Wetterbericht sagt, dass das nicht von lange Dauer sein wird, fällt in dem Moment die Entscheidung gemäß dem Motto “Jetzt oder nie!”. Schnell ziehe ich mir quasi alle meine Klamotten an, um auch ja nicht zu frieren, schnüre meine Wanderschuhe und mache mich gemeinsam mit Uwe auf dem Weg.

Wir haben einen Affenzahn drauf, so zügig bin ich noch nie gewandert. Aber das Ziel ist, so lange wie möglich trocken zu bleiben. Bis zum Ende wird es wohl kaum was werden, immerhin liegen 19 km vor uns. Die ersten Kilometer laufen wir noch durch eine dünne, nasse Schnneeschicht. Es macht tatsächlich richtig Spaß und Uwe und ich sind froh, doch noch losgegangen zu sein. Irgendwann holt uns dann aber doch der Regen wieder ein und es heißt, Kapuze auf und durch! Durch unser Tempo überholen wir einige der Wanderer, die vor uns gestartet sind. Ein Niederländer, den wir einholen und den ich auch schon flüchtig von den vorherigen Tagen kannte, schließt sich uns an, und zu dritt geht es weiter. Gefühlt ziehen die beiden Männer das Tempo noch mehr an, ich trotte eher hinter her, beteilige mich auch nicht mehr am Gespräch und merke langsam, wie mir das nicht mehr passt und ich anstatt meinem eigenen Rhythmus zu folgen, nur noch versuche mitzuhalten. Irgendwie macht mich das wütend, was natürlich völlig unberechtigt ist, da die beiden keine Ahnung haben, da ich ja schließlich nichts gesagt habe. Bei einer sich anbietenden Gelegenheit, sage ich, dass ich eine kurze Pause machen möchte, aber sie sollen bitte nicht auf mich warten und ruhig schon weitergehen. Die beiden sind ganz besorgt, fragen ob auch alles in Ordnung sei und haben glaube ich ein etwas schlechtes Gewissen, mich alleine zurückzulassen. Aber ich glaube, es ist für uns alle am besten, so kann jeder in seinem eigenen Tempo weitergehen.

So stehe ich also alleine im Regen, trinke einen Schluck, obwohl ich genauso gut nach oben gucken und den Mund aufmachen hätte können, sammele mich erstmal wieder und lasse die negativen Gefühle verfliegen. Wie weit es noch ist, weiß ich nicht wirklich und meinen Wanderführer mag ich bei dem Regen nicht hervorkramen. Ich mache mich also wieder auf den Weg und hoffe eigentlich nur noch bald anzukommen. Bald verlasse ich den Wald und der Weg verläuft jetzt nur noch flach, ist ziemlich unspektakulär und führt einen Großteil einfach parallel zur Landstraße. Ich denke, dass ich dann ja bald da sein müsste, aber es zieht sich noch ganz schön lang und mit dem Regen und meiner Einstellung kommt es mir noch viel, viel länger vor. Meinen absoluten Tiefpunkt habe ich dann, als ein Teil des schmalen, neben einem Fluss verlaufenden Weges einfach weggebrochen ist. Behelfsmäßig wurden sehr notdürftig ein paar Bretter wie eine Leiter zur Überquerung angebracht, aber mit dem Matsch und Regen kommt es mir fast unmöglich vor, hier rüber zu kommen ohne abzurutschen und im Wasser zu landen. Das ganze dann auch noch mit großem Rucksack auf dem Rücken – das kann doch nicht deren Ernst sein? Ich bin den Tränen nahe und würde am liebsten trotzig aufgeben, aber es hilft ja alles nichts: Ich bin auf mich alleine gestellt, weit und breit ist niemand anders und es gibt keine Alternative, als hier irgendwie rüberzukommen. Und irgendwie klappt es dann natürlich auch. Dagegen ist der später völlig überschwemmte Weg, der mich dazu zwingt, auf eine schmale Mauer mit überhängenden Büschen und Bäumen von privaten Grundstücken zu klettern und dort weiterzuwandern, sofern ich nicht durch 30 cm tiefes Wasser waten will, geradezu ein Klacks.

Kurz nach diesem Abenteuer, als ich schon fast gar nicht mehr damit rechne, bin ich dann auch plötzlich schon am Ortseingang von Pollença. Und nach wenigen Metern erreiche ich auch das dortige Refugio und und kann schon durch die Tür einige bekannte Gesichter sehen. Hach, was bin ich erleichtert und glücklich hier angekommen zu sein! Drinnen treffe ich unter anderem Uli und Ilona, und auch Jan und Lisa wieder, es ist schön sie alle wiederzusehen. Sie scheinen auch gar nicht so viel vor mir angekommen zu sein. Tatsächlich stelle ich jetzt erst fest, dass ich den Weg, für den mein Wanderführer 5 Stunden veranschlagt, in 3,5 Stunden gelaufen bin. Ich bin klitschnass bis auf die Unterhose. Das erste was ich mache, ist mich umziehen und trockene Sachen anziehen. Da ich fast alles, was ich dabei habe, auch angezogen hatte, bleibt nur frische Unterwäsche, ein anderes T-Shirt und meine dünne, gemütliche Stoffhose. Lisa leiht mir noch ihre trockene Fleece-Jacke. Gemeinsam sitzen wir noch eine Weile drinnen am Feuer, wärmen uns, trinken eine heiße Schokolade und essen Kekse. Es ist so schön und gemütlich, dass es all die Strapazen des Tages entschädigt.

Irgendwann verabschiedet sich aber einer nach dem nächsten, und auch ich mache mich auf noch ein bisschen Pollença zu erkunden und dann am Nachmittag den Bus zurück nach Palma zu nehmen.

Epilog

Das Hostel, in dem ich die letzte Nacht in Palma verbringe, ist wie ausgestorben. Es ist März, scheinbar nicht gerade Hochsaison hier. Ganz schön einsam im Vergleich zu den Wanderherbergen. Da ich mich den ganzen Tag über nur von Snacks ernährt habe, habe ich dementsprechend Hunger, irre aber ewig durch die Stadt bevor ich etwas finde, was mir zusagt, und nicht von mir verlangt, alleine in einem Restaurant zu sitzen – da habe ich keine Lust drauf. Am Ende finde ich dann doch noch einen guten Ort, um Pizza zu essen. Ansonsten ist Palma eine schöne, historische Stadt und hat wenig vom Ballermann-Klischee. Ich werde mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt, der die Stadt in rotem Licht leuchten lässt und der, wie ich finde, dem Ende meiner Reise würdig ist. Dennoch fühle ich mich etwas verloren, alleine in der großen Stadt – viel mehr als alleine in den Bergen – und freue mich, dass es am nächsten Tag wieder nach Hause geht.

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