Unterwegs

Jakobsweg-Logbuch

31.10.18 – Tag 33: Santa Irene – Santiago de Compostela, 24 km

It is good to have an end to journey towards; but it is the journey that matters, in the end.

Ernest Hemingway

Das war’s dann also. Ich hab mich im Vorhinein oft gefragt, wie es wohl sein wird, an der Kathedrale in Santiago anzukommen. Letztendlich war es eher unspektakulär – eine Mischung aus Freude und Ungläubigkeit, dass es jetzt einfach so vorbei ist und ich morgen nicht wieder meine Wanderstiefel schnüre und losmarschiere. Es ist schwierig, diese Reise in wenigen Sätzen zusammenzufassen und ich werde sicherlich auch noch eine Weile brauchen, um alle Eindrücke zu verarbeiten. Aber wenn ich jetzt zurückblicke, fühle ich vor allem Dankbarkeit – dafür, dass ich diese Reise machen konnte, für all die schönen Sonnenaufgänge und Momente in der Natur, für die vielen wunderbaren Menschen, denen ich unterwegs begegnen durfte, für die Zeit, die ich nur für mich hatte, für die Lehren, die ich für mich ziehen konnte, dafür, dass ich gesund, fit und in der Lage bin, ein Land zu Fuß zu durchqueren, und auch dafür, wie gut es mir eigentlich zu Hause geht und was ich dort alles habe.

In Santiago hat mich irgendwie erstmal eine große Müdigkeit überfallen. Als ich zu meinem australischen Bettnachbar meinte, dass ich gerade den ganzen Tag nur schlafen könnte und gar nicht wisse, was mit mir los sei, meinte er: “Hm, ich weiß ja nicht, aber vielleicht könnte es ja irgendwas damit zu tun haben, dass du gerade 800 km gelaufen bist. Nur so ne Theorie.” Könnte was dran sein. 😅 Also hab ich mir ein paar sehr faule Tage gegönnt und bin jetzt auf dem Weg nach Portugal für ein bisschen Urlaub, bevor es wieder nach Hause geht.


30.10.18 – Tag 31: Gonzar – Melide, 33 km, Tag 32: Melide – Santa Irene, 31 km

Die letzten Tage auf dem Weg. Ich muss zugeben, ich freue mich inzwischen auf’s Ende, darauf am Ziel anzukommen, auf viele Dinge zu Hause und besonders auf diesen einen Lieblingsmenschen. Trotzdem versuche ich die letzten Tage nochmal zu genießen, alles um mich bewusst wahrzunehmen und mich nicht allzu sehr an den Menschenmassen zu stören, die jetzt auf den letzten 100 km bis Santiago unterwegs sind. Ich bin auf jeden Fall sehr froh darüber, dass ich diesen letzten Abschnitt nochmal mit ein paar lieben, mir inzwischen sehr vertrauten Menschen teilen kann.


28.10.18 – Tag 29: Fonfría – Sarria, 29 km + Tag 30: Sarria – Gonzar, 31 km

Nebel, Temperatursturz, Eisregen, Schnee und jede Menge Matsch. Bei dem Wetter kann man sich kaum noch vorstellen, dass ich zwei Tage vorher noch in T-Shirt und kurzer Hose gewandert bin. Diese nasse Kälte ist nochmal eine ganz andere Herausforderung, aber irgendwie hat es auch etwas, dieses Kontrastprogramm auch noch mitzuerleben. Und wenn dann am Nachmittag die Sonne durch die Wolken lugt und den Schnee auf den Feldern glitzern lässt, ist man auch schnell wieder mit dem Wetter versöhnt. Prognose für die nächsten Tage: Dauerregen. Allerdings sind die verbleibenden Tage inzwischen auch gezählt und das Ende sehr, sehr absehbar.


26.10.18 – Tag 27: Columbrianos – Pradela, 28 km + Tag 28: Pradela – Fonfría, 36 km

Wenn die Herbergsmutter dich mitnimmt, um für’s Abendessen Eier aus dem Hühnerstall zu holen und im eigenen Garten Tomaten, Paprika und Kürbisse zu ernten, überall um dich herum Tiere – seien es Katzen, Hunde, Kühe, Esel oder Pferde – sind, du eine großartige Aussicht auf die umliegenden Berge hast, und mit einer handvoll lieber anderer Menschen hier gelandet bist, dann fühlt sich das fast ein bisschen nach zu Hause an. Ich hatte einen wunderschönen Abend in der kleinen Herberge in Pradela, abseits vom Hauptweg, wohin sich nicht ganz so viele Pilger verlaufen, und generell auch richtig tolle Tage in der Region El Bierzo mit seinen Bergen, Kuhdörfern und hübschen Steinhäuschen. Außerdem habe ich meinen wohl längsten Wandertag hinter mir – 36 km und etliche hundert Höhenmeter – und bin jetzt erstmal wieder mit zwei anderen Mädels zusammen unterwegs.


24.10.18 – Tag 26: Foncebadón – Columbrianos, 33 km

Cruz de Ferro – einen weiteren Meilenstein auf dem Jakobsweg erreicht. Es ist Brauch, hier einen Stein oder persönlichen Gegenstand abzulegen, als Symbol für die persönlichen Lasten, die man mit sich trägt. Ein kleiner Stein von der Ostsee hat hier nun auch seinen neuen Platz gefunden. Bis nach Santiago dauert es jetzt nur noch eine gute Woche – ich weiß noch nicht so recht, ob ich das gut oder schlecht finden soll.


23.10.18 – Tag 25: Murias de Rechivaldo – Foncebadón, 22 km

Endlich wieder Berge! Das habe ich so vermisst. Nach den Tagen durchs Flachland freuen sich hier tatsächlich fast alle darüber, endlich mal wieder bergauf gehen zu können und den Ausblick von oben zu genießen!


22.10.18 – Tag 24: Villavante – Murias de Rechivaldo, 27 km

Man könnte meinen, jeder Tag hier sei gleich: Aufstehen, fertig machen, Rucksack packen, losmarschieren. Im ersten Örtchen Frühstückspause, weiter gehen, Mittagspause (+ beliebig viele Kaffeepausen), weiter gehen. Nachmittags ankommen in der Herberge, duschen, Wäsche waschen, entspannen und Freizeit genießen. Abendessen und ab ins Bett, denn spätestens um 22 Uhr gehen die Lichter aus. Aber trotz dieser Routine ist jeder Tag aufs Neue anders: Andere Landschaften und der Wechsel zwischen Natur und Städten. Andere Begegnungen und Gespräche. Und vor allem die unterschiedlichsten Abende in den Herbergen. Vorgestern noch mit hunderten anderen Pilgern in der Großstadt-Herberge, gestern mit einer Gruppe von Deutschen beim gemeinschaftlichen Abendessen, heute nur zu viert in der Herberge – keiner der anderen spricht wirklich Englisch, aber trotzdem wurde es ein sehr herzlicher und lustiger Abend.


21.10.18 – Tag 22: Mansilla de las Mulas – León, 19 km +Tag 23: León – Villavante, 32 km

Und dann gibt es auch diese Tage, an denen man stundenlang bei praller Sonne geradeaus an der Straße entlang läuft und sich fragt: Was zur Hölle tue ich hier eigentlich? Und warum nochmal liege ich jetzt eigentlich nicht irgendwo am Strand oder zumindest zu Hause auf der Couch?


19.10.18 – Tag 20: Ledigos – Bercianos del Real Camino, 27 km +Tag 21: Bercianos del Real Camino – Mansilla de las Mulas, 27 km

Achtsamkeit und der Blick für die kleinen Dinge – das ist definitiv etwas, was man beim Wandern gut lernen kann. Gerade wenn man ganz alleine läuft, ohne Musik auf den Ohren oder irgendwelche Ablenkung, nimmt man alles viel intensiver wahr – den Duft der Pflanzen, die Geräusche der Insekten (manchmal klingt es als würden die Felder knistern), die kleinen Details – und man erkennt Schönheit in Dingen, die man sonst vielleicht einfach übersehen hätte.


17.10.18 – Tag 18: Itero de la Vega – Villalcázar de Sirga, 29 km +Tag 19: Villalcázar de Sirga – Ledigos, 30 km

Was ein schöner Herbsttag! 🙂 Da ist man auch gerne etwas länger draußen unterwegs und 30 km pro Tag gehen bei mir inzwischen ohne größere Probleme. Von hier sind es auch nur noch 3 km bis zum Bergfest – Santiago rückt näher!


15.10.18 – Tag 16: Burgos – Hornillos del Camino, 21 km+ Tag 17: Hornillos del Camino – Itero de la Vega, 32 km

Die Meseta – karg, weit, leuchtende Herbstfarben in gelb und braun, hier und da ein wenig grün. Vielleicht ist es bei dem wenigen Schatten, den es hier gibt, sogar ganz gut, dass es jetzt etwas kühler und wolkiger geworden ist. Für mich beginnt hier gewissermaßen ein neuer Camino-Abschnitt. Irgendwer meinte letztens zu mir, ab Burgos sei man “erwachsen”, wenn man den Weg als Sinnbild des Lebens betrachtet, mit der Geburt in St-Jean-Pied-de-Port und dem Lebensende in Santiago. Und tatsächlich trifft es das bei mir ganz gut. Die beiden, mit denen ich den größten Teil meines bisherigen Weges zusammengegangen bin, sind in Burgos ausgestiegen – die Arbeit ruft, nicht jeder hat den Luxus so viel Zeit zu haben, wie ich sie habe. Und da ich jetzt tendenziell etwas weitere Distanzen gehen möchte, werde ich wohl oder übel auch viele weitere bekannte Gesichter hinter mir lassen. Ich bin jetzt also wieder ganz auf mich alleine gestellt und es fühlt sich definitiv anders an. Einsamer zwar, aber auch selbstständiger und gut auf seine Weise.


13.10.18 – Tag 14: Villafranca Montes de Oca – Cardeñuela Ríopico, 25 km +Tag 15: Cardeñuela Ríopico – Burgos, 14 km

In eine fremde Stadt zu kommen und dann so vielen bekannten und liebgewonnen Menschen zu begegnen – das fühlt sich fast ein bisschen an wie nach Hause kommen. Einige dieser Menschen habe ich tage- oder wochenlang nicht gesehen, aber es scheint als hätten sich fast alle, die meinen Weg einen Stück begleitet haben, heute hier in Burgos versammelt. Da ist Melissa, die immer gut gelaunte Amerikanerin. Tim aus Südafrika, mit dem ich nach Logroño eine Weile zusammengelaufen bin und der immer eine Geschichte oder Lebensweisheit parat. Marie und Pierre aus Kanada, die mich trotz Krankheit, als ich sie das letzte mal vor über einer Woche gesehen hatte, wieder eingeholt haben. Sue aus Amerika, die ich an meinem allerersten Tag in den Pyrenäen kennengelernt habe und seit Pamplona nicht mehr gesehen habe. Und dann noch Steve, Markus, Allister, Ines, Anders,… Danke Burgos, für diesen wunderschönen Tag!


11.10.18 – Tag 12: Cirueña – Viloria, 22 km + Tag 13: Viloria – Villafranca Montes de Oca, 21 km

Just another morning in Spain.

09.10.18 – Tag 10: Logroño – Ventosa, 20 km + Tag 11: Ventosa – Cirueña, 26 km

Tagsüber wandern durch die Weinberge, abends Gespräche bei einem Glas Rotwein. Eine Frage, die hier immer wieder gestellt wird, ist die nach der Motivation den Jakobsweg zu gehen. So verschieden die Menschen sind, so verschiedenen sind natürlich auch ihre Gründe. Was sich aber immer wieder durchzieht, ist der Wunsch nach Entschleunigung und Einfachheit in unserer schnellen und komplexen Welt. Zum einen sind es Berufstätige, die zwar generell zufrieden mit ihrem Leben und dessen Gestaltung sind, aber sich durch ihre Arbeit und vielleicht auch familiäre Verpflichtungen sehr gestresst fühlen und das Gefühl haben, dass es an der Zeit ist, endlich einmal nur etwas für sich zu tun. Zum anderen sind es Menschen, die an ihrem alten Leben zerbrochen sind – Burnout, Depression, Lebenskrise – und die den Jakobsweg nutzen, um neue Wege zu finden, ihr Leben zu gestalten. Es ist schon erstaunlich (oder auch nicht?), wie viele Menschen hier herkommen und den Luxus der modernen Welt gegen das einfache Leben unterwegs eintauschen und wie glücklich sie damit sind.


07.10.18 – Tag 9: Sansol – Logroño, 21 km

Auf Sonne folgen Wolken, auf ein Hoch folgt ein Tief. Und mein Tief trägt den Namen “Bettwanzen”. Es ist ja allgemein bekannt, dass diese Tierchen ein großes Problem in Hostels im Allgemeinen und in den Jakobsweg-Herbergen im Speziellen sind – dass man selbst mal davon betroffen sein könnte, damit rechnet man dann aber doch nicht. Schon zwei Tage vorher wurden meine Arme über Nacht komplett zerstochen, aber da ich ja sowieso ein Mücken-Magnet bin, habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. Nachdem ich in der nächsten Nacht weitere Stiche bekommen habe, obwohl keine Mücke weit und breit zu sehen oder hören war, wurde ich schon etwas stutzig. Am Abend informierte ich mich über Bettwanzen und deren Bisse und nach einer weiteren Nacht konnte ich meinen Verdacht endgültig bestätigen, als ich am Morgen ein völlig mit Blut vollgesogenes Bettwanzen-Exemplar auf meinem Laken entlangkrabbeln sah. Dass sich das Problem mit dem Töten dieser einen Bettwanze erledigt hatte, war eher zweifelhaft. Keine Ahnung, wie viele davon man noch eventuell im Schlafsack, den Klamotten oder im Rucksack mit sich spazieren trägt. Dementsprechend war meine Laune den ganzen Tag über ziemlich mies. Der Biss direkt auf meinem Augenlid tat sein Übriges dazu bei. Die meiste Zeit habe ich darüber gegrübelt, wie ich das Problem am schnellsten loswerde. Zum Glück bin ich in der Pilgerinfo in Logroño auf ganz liebe und verständnisvolle Menschen gestoßen, die mich zur öffentlichen Herberge geschickt haben, wo man sich damit auskannnte. Mein ganzer Rucksack wurde mit Insektenspray behandelt, meine Klamotten und meinen Schlafsack habe ich heiß gewaschen und getrocknet, was die Tierchen abtöten sollte. Ich denke, dass sich das Problem damit erledigt hat, über Nacht habe ich zumindest keine neuen Bisse bekommen. Und so sehr mich das ganze auch genervt und geärgert hat – jeder hat hier seine kleinen Problemchen: Die einen haben Blasen, die anderen haben “Knie” oder “Knöchel” oder was auch immer, und ich habe eben Bettwanzen (gehabt). Es gibt Schlimmeres.


06.10.18 – Tag 7: Lorca – Villamayor de Monjardín, 19 km + Tag 8: Villamayor de Monjardín – Sansol, 21 km

Es ist gar nicht so leicht – zumindest für mich als introvertierter Mensch – hier die richtige Balance zwischen Alleinsein und Gesellschaft zu finden. Die letzten Tage bin ich meist mit zwei anderen Pilgern zusammengelaufen, was sich erst nur zufällig ergeben hat und später zur Routine wurde – zu viele Gespräche, Kommentare zur Landschaft, zu wenig Ruhe und Zeit für mich. Auch wenn es mich erstmal etwas Überwindung gekostet hat, war es für mich unglaublich wichtig, dass dann auch so zu kommunizieren. Ich genieße es tatsächlich sehr, allein zu wandern und hab dann auch später am Abend mehr Energie und Freude an Gesrprächen. Wie etwa an dem Abend in der Herberge Hogar Monjardín in Villamayor, der einer der schönsten auf meinem bisherigen Weg war. Eine sehr herzliche Atmosphäre, ein grandioses Abendessen, eine abendliche Meditation, die den ein oder anderen zu Tränen gerührt hat, und gute, tiefgehende Gespräche. Auf jeden Fall ein Abend, den ich nicht so schnell vergessen werde. ❤


04.10.18 – Tag 6: Muruzábal – Lorca, 22 km

Morgenstund’ hat Gold im Mund – oder wie heißt das nochmal. Die ersten Stunden des Tages sind beim Wandern wirklich am allerschönsten. Wenn es noch ruhig ist, die Luft noch frisch ist, die Sonne langsam am Horizont aufsteigt und alles in ein wunderschönes Licht taucht. Ich kann es dann auch nicht lassen, alle paar Meter meine Kamera zu zücken und zu versuchen, die Schönheit der Natur festzuhalten.

Heute war es generell viel ruhiger und mir sind weniger Menschen begegnet, worüber ich sehr froh bin, denn zeitweise war es mir auf den ersten Etappen doch zu viel. Aber wenn man etwas vor oder hinter den üblichen Etappenzielen übernachtet, hat man den Weg dann doch auch mal nur ganz für sich.


03.10.18 – Tag 5: Pamplona – Muruzábal, 20 km

Es sind die kleinen Dingen, die den Weg zu etwas besonderem machen und motivieren, wenn man sich mal wieder fragt, warum genau man das hier eigentlich nochmal macht. Sei es ein Stand mit kostenlosen Getränken und Obst mitten im Nichts, ein motivierendes Schild, eine Pilgerin, die Zettel mit inspirierenden Zitaten verteilt oder einfach kleine Gesten der Nächstenliebe.

Für mich war der Tag total seltsam – nachdem ich nachts aufgrund von Schnarcher und allgemeiner Unruhe fast gar nicht geschlafen habe, meine Sehnen den ganzen vorherigen Abend wehtaten und ich schon dachte, ich käme heute höchstens ein paar Kilometer weit, ging es dann doch total gut. Am Ende des Tag saß ich nach 20 km im Garten der schönsten Herberge weit und breit, glücklich, fit und ohne irgendwelche Wehwehchen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich den Tag total langsam angegangen bin, an der Arnica Salbe, die ich mir besorgt habe, oder daran, dass mein Körper sich inzwischen an die Belastung gewöhnt hat. Auf jeden Fall bin ich erstaunt, aber auch sehr glücklich darüber, wie schnell sich die Stimmung und die Gefühle hier doch einmal um 180 Grad drehen können.


02.10.18 – Tag 3: Roncesvalles – Zubiri, 23 km + Tag 4: Zubiri – Pamplona, 20 km

Nach weiteren 43 km durch die spanische Pampa bin ich in Pamplona angekommen. So langsam machen sich die Füße und Beine doch sehr bemerkbar, vielleicht wird es demnächt Zeit für einen ersten Pausentag. Ansonsten gibt es aber keinen Grund zu klagen – perfektes Wanderwetter, schöne Landschaften und ein paar sehr liebe Menschen.


30.09.18 – Tag 2: Orisson – Roncesvalles, 17 km

Die hinter den Bergen aufgehende Sonne, die Wolken im Tal, das goldene Licht des Morgens. Es ist schon fast zu kitschig, aber ich bin ganz sicher nicht die einzige, die heute sprachlos und mit einem Lächeln im Gesicht den Berg hochgelaufen ist. Was für ein wunderschöner Tag war das bitte heute!


29.09.18 – Tag 1: Saint-Jean-Pied-de-Port – Orisson, 8 km

Mein erster Tag auf dem Camino. Morgens habe ich mich noch gefragt, was mich eigentlich dazu bewegt hat, im Vorhinein eine Herberge nach schon 8 km zu buchen, sprich nur zwei bis maximal drei Stunden zu wandern, anstatt gleich am ersten Tag die Pyrenäen zu überqueren. Letztendlich war ich sehr froh darüber – nicht weil ich die ganze Etappe nicht geschafft hätte, sondern einerseits weil es schon etwas hat, den restlichen Tag und die Nacht mit einem wundervollen Panoramablick in den Bergen zu verbringen, und andererseits weil ich hier in dieser kleinen, gemütlichen Herberge schon meine kleine Familie gefunden habe.

Generell merkt man schnell, dass es auf dem Jakobsweg (vielleicht im Gegensatz zu anderen Fernwanderwegen) vor allem um Begegnungen und Gemeinschaft geht. So viele unterschiedliche Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, im unterschiedlichsten Alter, jeder mit seiner eigenen Geschichte und seinem eigenen Päckchen zu tragen, die sich sonst vermutlich nie begegnet wären, treffen hier aufeinander.


28.09.18

Buen Camino – auf in ein neues Abenteuer! Vor etwa einem halben Jahr saß ich im gleichen Bus wie jetzt nach Berlin zum Flughafen. Damals ging es nach Mallorca. Einerseits zum Arbeiten, andererseits aber auch zum Wandern. 5 Tage war ich auf dem GR 221 Fernwanderweg in der Serra de Tramuntana unterwegs. Meine erste mehrtägige Solo-Wanderung. Und was soll ich sagen? Ich habe es geliebt! So sehr, dass es jetzt schon wieder losgeht. Aber alles eine Größenordnung größer: Nicht 80 km, sondern 800 km. Nicht 5 Tage, sondern 5 Wochen. Aber wieder in Spanien, wieder von Herberge zu Herberge, wieder nur ich und mein Rucksack. Und hoffentlich wieder großartige Landschaften, wundervolle Begegnungen, das Gefühl einer eingeschworenen Gemeinschaft und von unendlicher Freiheit. Und bestimmt auch wieder Herausforderungen, Zweifel, Ängste und Konfrontation mit mir selbst. Ich bin gespannt, was mein Jakobsweg für mich bereit hält.

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